Wissenswertes zu Falschinformationen, Halbwahrheiten und Irreführungen über die Sicherheit in
der Informationstechnologie
0. Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Virenscanner
2.1. Analyse von Werbeaussagen und Handbuchseiten eines
namenhaften Produktes 2.2 Analyse von Aussagen
kompromissloser Sicherheitsspezialisten zu Virenscannern
2.3. Fazit zu Virenscannern
3. Desktop-Firewalls
3.1 Analyse von Werbeaussagen und Handbuchseiten eines
namenhaften Produktes 3.2 Analyse von Aussagen
kompromissloser Sicherheitsspezialisten zu Desktop-Firewalls
3.3. Fazit zu Personal Firewalls
1. Einleitung
Wie in jeder Branche arbeiten auch in der Informationstechnologie die Marketingabteilungen
zahlreicher Unternehmen nicht immer mit seriösen Argumenten. Auch die Presse, das Fernsehen und andere
Medien tragen in einem teilweise erschreckendem Maße dazu bei, dass Benutzer von EDV-Systemen falsch
oder nur unzureichend informiert werden. Mitunter drängt sich beim Lesen diverser Artikel in
einschlägigen Fachzeitschriften gar der Eindruck auf, dass einige Anbieter von Produkten und
Dienstleistungen aus dem Bereich IT an der Erstellung dieser Artikel nicht ganz unbeteiligt waren ...
Das alles ist um so schlimmer, weil in der elektronischen Datenverarbeitung Sicherheitsfragen
eine erhebliche Rolle spielen und deshalb korrekte Informationen für Kunden und Anwender unerlässlich
sind. Überdies hat sich gerade im Bereich der EDV in letzter Zeit ein gefährlicher Trend entwickelt:
Zahlreiche Anwender mit mäßigen Kenntnissen fühlen sich aufgrund geradezu grotesker Selbstüberschätzung
dazu berufen, in Computerfragen Bekannte oder Geschäftspartner zu beraten, was gerade im Bereich der
Computersicherheit bei den derart Betreuten zu erheblichen Problemen führen kann.
Auf der anderen Seite werden von angesehenen Spezialisten mitunter gefährliche Ratschläge an
Interessierte weitergegeben. Diese basieren auf einem puristischen Ansatz, der die Verwendung von (bei
perfekter Konfiguration und tadellosem Benutzerverhalten) tatsächlich überflüssigen Hilfsmitteln
konsequent ablehnt, ja sogar regelrecht verdammt. Leider wird hierbei übersehen, dass Benutzerverhalten
und Konfiguration in den meisten Fällen eben nicht einwandfrei sind und sich dies auch nicht kurzfristig
ändern lässt.
Es sollen deshalb im Rahmen dieser Arbeit einige der am häufigsten anzutreffenden
Falschinformationen, Irreführungen und Halbwahrheiten vorgestellt werden, damit der interessierte Leser
sich sein eigenes Bild machen und entsprechende Schlüsse ziehen kann.
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2. Virenscanner
2.1 Analyse von Werbeaussagen aus dem Handbuch eines namenhaften Produktes
Im Folgenden sollen einige der zentralen Aussagen aus dem Handbuch eines bekannten Virenscanners mit
integrierter Desktop-Firewall analysiert werden. Zur Vermeidung rechtlicher Probleme ist es allerdings
notwendig, auf die Nennung des Produktnamens selbst zu verzichten. Dieser wird in der Folge durch das
Wort PRODUKT ersetzt.
Aussage: Außerdem schützt das PRODUKT Ihre persönlichen Daten, ... sucht auf Ihrem
Computer nach bekannten Microsoft Sicherheitslücken.
Bemerkungen: Das PRODUKT sucht nach den Sicherheitslücken, die Microsoft im Rahmen seiner
monatlichen Patchdays veröffentlicht, und da die Aktualisierung des Betriebssystems ohnehin eine
Selbstverstädlichkeit sein sollte, ist die beschriebene Funktionalität völlig nutzlos.
Aussage: Mit dem PRODUKT können Spyware, Adware und sonstige Internet-Bedrohungen
gefunden und gesperrt werden.
Bemerkungen:
- Spyware ist häufig die Folge einer Infektion durch ein trojanisches Pferd und kann deshalb
nicht einfach "gesperrt" werden. Nähere Informationen finden Sie u.a. auf dieser
Seite.
- Adware ist meist die Folge des Ignorierens von EULA's und AGB's und daher vermeidbar.
- Nach der Deaktivierung der Adware ist meist das gewünschte Programm, welches die
Installation der Adware veranlasst hat, nicht mehr funktionsfähig.
Aussage: Das PRODUKT kann außerdem in ausgehenden (SMTP) E-Mails nach Viren suchen, so
dass die Empfänger Ihrer E-Mails vor einer Infektion geschützt sind. Das PRODUKT durchsucht Nachrichten
und Dateianhänge, bevor diese Ihren Postausgang verlassen.
Bemerkungen:
- Der Versand von Viren kann nur dann verhindert werden, wenn der Virus über den normalen Weg
(also Ihr Mailprogramm) versand werden soll. Moderne Schädlinge nutzen zum Versand jedoch meist eigene
Mechanismen, die das PRODUKT i.d.R. nicht kennt.
- Sollte der Schädling auf Ihrem System bereits ausgeführt werden, ist die Wahrscheinlichkeit
sehr hoch, dass das PRODUKT nicht mehr richtig funktioniert.
- Sollten Sie wissentlich eine infizierte Datei (z.B. für eine externe Analyse) versenden
wollen, wird Sie das PRODUKT gegen Ihren Willen natürlich auch an dieser Aktion hindern.
Aussage: Ohne weitere Einstellungsänderungen führt das PRODUKT folgende Funktionen
aus:
- Suche nach Viren bei jedem öffnen, Kopieren, Verschieben oder Speichern einer
Datei
- Schutz vor dem Download einer infizierten Datei
- Auffinden und Säubern von Trojanern
- Blockieren von Spyware
Bemerkungen:
- Jede Datei wird während Ihrer Sitzung immer dann gescannt, wenn auf Sie zugegriffen
wird. Einige dieser Dateien werden so mitunter mehrere hundert mal geprüft, ohne dass an ihnen irgend
eine änderung erfolgt wäre. Eine deutliche Minderung der Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems ist die
Folge.
- Der Download einer infizierten Datei ist ungefährlich. Gefährlich ist
erst die Ausführung eines Schadprogramms oder die Interpretation eines schädlichen Makros.
- Sie können ein trojanisches Pferd (bzw. dessen Nutzlast) meist nicht sicher
entfernen. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag Cleaning
a Compromised System aus dem Hause Microsoft.
- Das Blockieren der Spyware reicht nicht aus. Sie müssen das System, falls die
Spyware durch ein Schadprogramm installiert wurde, in einen Zustand versetzen, in dem es mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit frei von unerwünschten Komponenten ist. I.d.R. ist dies
nur durch eine Neuinstallation oder die Wiederherstellung des Systems von einem sauberen Backup
möglich.
Aussage: Das PRODUKT sucht nach unbekannten Viren basierend auf deren "Verhalten" unter
Verwendung modernster heuristischer Technologien.
Bemerkungen:
Diese Art der Herangehensweise ist zumindest zweifelhaft. Wenn z.B. nach Programmen gesucht wird, die
Festplatten formatieren, dann müssten Programme wie "format.com" ebenfalls gefunden werden.
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2.2 Analyse von Aussagen kompromissloser
Sicherheitsspezialisten zu Virenscannern
Aussage: Virenscanner sind nutzlos, weil sie nicht alle Viren finden
können.
Bemerkungen: Diese Aussage ist falsch, da ein Scanner auch dann nützlich sein kann, wenn er
einen Großteil der gefährlichsten Viren identifizieren kann.
Aussage: Virenscanner sind nutzlos, weil sie neue Viren nicht finden
können.
Bemerkungen: Das Problem kann umgangen werden, indem vor dem Prüfen einer verdächtigen
Datei einige Tage gewartet wird und die Prüfung dieser Datei dann mit aktualisierten Signaturen erfolgt.
Beachten Sie jedoch, dass einige Virenscanner evtl. auch nach mehreren Wochen noch immer nicht in
der Lage sind, bestimmte Schädlinge zu identifizieren. Sie sollten deshalb im Zweifel mehrere dieser
Produkte verwenden oder - noch besser - die Prüfung verdächtiger Dateien einem Onlinedienst überlassen,
der mit zahlreichen Programmen gleichzeitig auf schädlichen Code testet. Als Beispiele seien
hier http://virusscan.jotti.org http://www.virustotal.com genannt.
Aussage: Virenscanner sind unnötig. Auf meiner Maschine gab es noch nie einen Virus,
obwohl ich keinen Virenscanner verwende.
Bemerkungen: Der Hauptgrund für die ausgebliebenen Infektionen ist die Fachkenntnis des
Anwenders. Es ist deshalb fahrlässig, gegenüber Anwendern mit erheblich geringeren Kenntnissen
derart zu argumentieren.
Aussage: Virenscanner können Viren nicht - wie von vielen Herstellern gern
behauptet wird - zuverlässig vom befallenen System entfernen
Bemerkungen: Dieser Kritikpunkt ist auf jeden Fall berechtigt. Das ein Scanner ein
einzelnes Werbeversprechen nicht erfüllen kann bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er deshalb
völlig nutzlos wäre.
Aussage: Virenscanner sind gefährlich, weil Sie zu Risikokompensation
führen. Der Anwender wiegt sich in Sicherheit und wird sich deshalb falsch verhalten.
Bemerkungen: Die Art dieser Argumentation ist schon von den Diskussionen um den
Sicherheitsgurt, den Fahrradhelm etc. bekannt. Weitgehend unstrittig ist, dass sich die Sicherheit
eines Computers selbst durch den Einsatz eines Virenscanners (von theoretisch möglichen
Schwachstellen des Scanners einmal abgesehen) verbessert. Unstrittig ist ebenfalls, dass viele Anwender
dazu neigen, sich nach der Installation eines Virenscanners unvorsichtiger zu verhalten als vorher.
Allerdings gibt es keinen Beleg dafür, dass die Gefahr durch das Gefühl gestiegener Sicherheit
den Effekt der tatsächlich gestiegenen Sicherheit übersteigen würde.
Aussage: Virenscanner bremsen das System aus.
Bemerkungen: Dies stimmt nur dann, wenn der Scanner automatisch alle Dateien prüft, auf die
zugegriffen wird. Auf moderner Hardware ist selbst dann die Beeinträchtigung inzwischen kaum noch
spürbar.
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2.3. Fazit zu Virenscannern
Dummenfang als Ziel überzogener Werbeversprechen dient einzig dazu, den Absatz von Software
durch die Ausnutzung von Wissenslücken potentieller Käufer anzukurbeln. Seien Sie kritisch und fallen
Sie nicht darauf herein.
Manchmal allerdings haben die weltfremden Ratschläge kompromissloser Experten ähnlich negative
Folgen, weil durch sie Maßnahmen, die nicht der "reinen Lehre" entsprechen, aber in der Praxis
durchaus nützlich sind, unterbleiben.
Bei Virenscannern lassen sich aus den weiter oben genannten Erkenntnissen folgende Schlüsse
ableiten:
- Virenscanner ersetzen nicht das eigene Denken, aber sie sind manchmal in der Lage,
Fehler des Anwenders zu kompensieren.
- Virenscanner können Infektionen einer einzelnen Maschine nicht zuverlässig
verhindern, die Ausbreitung von Epidemieen aber kann so wirksam verhindert werden.
- Virenscanner können infizierte Dateien manchmal, aber nicht immer reinigen oder
löschen.
- Virenscanner können die Wiederherstellung des Systems von einem Backup oder durch
Neuinstallation nicht ersetzen, aber sie können den Anwender darauf aufmerksam machen, dass eine
Wiederherstellung notwendig ist.
Ob der Einsatz solcher Programme sinnvoll ist, lässt sich im Rahmen einer Sicherheitsanalyse
herausfinden. Klicken Sie hier, um
weitere Informationen über Sicherheitsanalysen zu erhalten.
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3. Desktop-Firewalls
3.1 Analyse von Werbeaussagen und Handbuchseiten
eines namenhaften Produktes
Im Folgenden sollen einige der zentralen Aussagen aus dem Handbuch eines bekannten
Virenscanners mit integrierter Desktop-Firewall (Personal Firewall) analysiert werden. Zur Vermeidung
rechtlicher Probleme ist es allerdings notwendig, auf die Nennung des Produktnamens selbst zu
verzichten. Dieser wird in der Folge durch das Wort PRODUKT ersetzt.
Aussage: Die Personal Firewall des PRODUKTS schützt Ihren Computer vor
Virenangriffen aus dem Internet.
Bemerkungen: Eine Firewall kann nicht vor Viren schützen. Sie schützt u.a.
vor Internet-Würmern und gezielten Angriffen von Hackern auf evtl. vorhandene Sicherheitslücken des
Systems.
Aussage: Netzwerkviren wie NIMDA verbreiten sich schnell über das Internet und
lokale Netzwerke. Das PRODUKT schützt Ihren Computer vor einer Infektion durch Netzwerkviren und
verhindert, dass Ihr Computer andere Computer infiziert.
Bemerkungen: Der sicherste Schutz vor Schädlingen wie NIMDA ist der Verzicht auf
unsichere Clientsoftware und das konsequente permanente Aktualisieren des Betriebssystems und
aller Anwendungen.
Aussage: Die Personal Firewall schützt vor Angriffen von außen. Mit
Ausnahmelisten können Sie die Personal Firewall Ihren Erfordernissen anpassen.
Bemerkungen: Genau dies ist auch mit dem in Windows-XP eingebauten Paketfilter
möglich. Die Installation zusätzlicher Software ist schon allein deshalb normalerweise vollkommen
unnötig. Unter Windows 2000* (welches über keinen** integrierten Paketfilter verfügt), genügt es,
sämtliche Dienste zu deaktivieren, die nicht benötigt werden sowie evtl. gewünschte Freigaben
nicht über die zum Internet zeigende Schnittstelle anzubieten.
* Windows 2000 wird durch Microsoft inzwischen nicht mehr unterstützt
und sollte durch ein modernes Betriebsystem ersetzt werden. ** Mittels IPSEC können Filter nur
eingeschränkt konfiguriert werden. überdies sind hierfür fundierte Kenntnisse zwingend erforderlich.
Aussage: Im Feld Informationen zum letzten Angriff sehen Sie, wann zuletzt
versucht wurde, Ihren Computer anzugreifen oder zu durchsuchen. Diese Hinweise gelten nur bei
aktivierter Personal Firewall.
Bemerkungen: In den meisten Fällen handelt es sich bei den so genannten Angriffen um
ziemlich harmloses "Grundrauschen" des Internets. Das PRODUKT registriert und präsentiert Ihnen diese
"Angriffe", um Sie von seiner Wichtigkeit zu überzeugen!
Aussage: Das PRODUKT ist eine "Stateful-Inspection-Firewall", das heißt, sie
überprüft und überwacht den Status aller Verbindungen, damit Probleme vermieden werden.
Stateful-Inspection erkennt beispielsweise, wenn über Port 80 ein anderes Protokoll als HTTP ausgeführt
wird
Bemerkungen: Stateful-Inspection bedeutet, dass versucht wird, einem ankommenden
Paket eine vorher durch den Client initiierte Sitzung zuzuordnen. Hat das Paket den richtigen Status
(kann es also korrekt zugeordnet werden) wird es akzeptiert, anderenfalls wird es verworfen. Der Begriff
wird also durch den Anbieter völlig falsch erklärt.
Aussage: In der höchsten Sicherheitsstufe wird beim Versuch einer Anwendung, eine
Verbindung mit dem Internet herzustellen, eine Warnung angezeigt. Der Benutzer wird gefragt, ob diese
Verbindung zugelassen werden soll.
Bemerkungen: Funktioniert nur, wenn die Anwendung nicht versucht, z.B. unter
Zuhilfenahme einer zweiten Anwendung die Verbindung ins Internet herzustellen. Insbesondere bei
Schadprogrammen kann davon keinesfalls ausgegangen werden.
Aussage: Das PRODUKT vermeidet Schäden durch Trojaner durch das Schließen von
Ports, die als Angriffsziele bekannt sind.
Bemerkungen: Befindet sich ein trojanisches Pferd (bzw. dessen Nutzlast, also ein
Grieche ;-) auf dem Computer, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich das Schadprogramm an die
bekannten Ports hält und nur diese ins Internet anbietet. Außerdem hat bei Paketfiltern prinzipiell die
Regel zu gelten, dass nur die Ports geöffnet sind, die unbedingt benötigt werden. Das Schließen
einzelner Ports bleibt damit Stückwerk.
Aussage: Viren oder andere Angreifer brauchen vollständige Kontrolle über Ihren
Internet-Verkehr, damit sie sich in Ihrem Netzwerk verbreiten oder in Ihr System eindringen
können.
Bemerkungen: Falsch bzw. ungenau. Viren brauchen keinerlei Kontrolle über Ihren
Internetverkehr. Andere Angreifer benötigen lediglich die Kontrolle über die anvisierte Schwachstelle.
Aussage: Die Notfallsperre unterbricht bei Gefahr sofort alle ein- und
ausgehenden Verbindungen vom bzw. in das Internet. Diese Funktion ist besonders nützlich bei einem
Virenausbruch oder einem Hacker-Angriff.
Bemerkungen: Die Verbindung ins Internet trennt man am sichersten durch
Deaktivierung der Netzwerkverbindung. Ziehen Sie den Netzwerkstecker oder schalten Sie die Schnittstelle
ab.Ein Hackerangriff auf einen optimal konfigurierten Computer in einwandfreien technischen
Zustand ist im übrigen kaum erfolgversprechend. Einen "Virenausbruch" brauchen Sie nicht
zu fürchten, wenn Sie die mit Viren infizierten Dateien nicht ausführen. Weiterhin sei an dieser Stelle
erwähnt, dass sich Notfallssperren dieser Art von Angreifern hervorragend dazu ausnutzen lassen, Ihren
Computer zeitweise vom Internet trennen, ohne dass Sie dagegen (außer der Deaktivierung dieser Funktion
der Firewall) irgend etwas tun könnten.
Aussage: Das PRODUKT kann sogar verhindern, dass der Computer vom Internet her
"gesehen" wird. Diese Funktion wird "Stealth Mode" genannt.
Bemerkungen: Der "Stealth Mode" ist einer der dreistesten Werbeaussagen überhaupt
und kann Sie gegen die heute üblichen Attacken nicht schützen. Dies hat mehrere Gründe:
- Im Stealth Mode antwortet Ihr PC nicht auf Echo-Anforderungen des potentiellen Angreifers.
Dieser erhält die Meldung "Zeitüberschreitung der Anforderung". Ist Ihr Rechner jedoch tatsächlich nicht
am Netz, erhält der Angreifer die Meldung "Zielhost nicht erreichbar". Mit unsichtbar hat der
Stealth Mode also nichts zu tun.
- Heute übliche Massenattacken greifen ganze IP-Bereiche auf Verdacht an, es wird
vorher nicht geprüft, ob die einzelnen IP-Adressen derzeit gültig sind.
- Heute übliche gezielte Attacken gegen einzelne Systeme richten sich gegen Maschinen, die
rund um die Uhr im Einsatz sind und deren Adresse sich so gut wie nie ändert und allgemein bekannt ist.
Solche Systeme können deshalb prinzipiell nicht mittels Stealth Mode versteckt werden. Diese Systeme
(normalerweise Webserver, Datenbankserver, Mailserver etc.) werden übrigens nicht von Personal Firewalls
sondern von separaten Firewallsystemen geschützt.
Hinzu kommt die Tatsache, dass nach Aktivierung des Stealth Mode wichtige Werkzeuge zur
Diagnose von Netzwerkproblemen nicht mehr funktionieren.
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3.2 Analyse von Aussagen kompromissloser
Sicherheitsspezialisten zu Desktop-Firewalls
Aussage: Die Personal Firewall vergrößert die durchlaufene Codemenge und die
Komplexität des Systems
Bemerkungen: Dieses theoretisch korrekte Argument ist in der Praxis nur dann
relevant, wenn die installierte Firewallsoftware keinerlei oder nur geringen Nutzen hat. Entscheidend
ist vielmehr - wie bei einem Medikament - das Verhältnis zwischen nützlicher und beabsichtigter Wirkung
sowie schädlicher und nicht beabsichtigter Nebenwirkung.
Aussage: Alle bekannten Produkte fordern bei der Installation nicht die Vergabe
eines Kennwortes und lassen daher die Manipulation durch beliebige Benutzer oder Schadsoftware
zu.
Bemerkungen: Der o.g. Mangel ist in der Praxis unerheblich, wenn der für die
Installation Verantwortliche mit hinreichender Sachkenntnis vorgeht und den Kennwortschutz
konfiguriert.
Aussage: Die Filterung eingehender Verbindungen kann auch durch die XP-eigene
Firewall erledigt werden.
Bemerkungen: In bestimmten Fällen kann eine sehr filigrane Filterung des eingehenden
Datenverkehrs wünschenswert sein. Hierfür ist die XP-Firewall nur eingeschränkt geeignet. überdies
arbeiten nicht alle Anwender tatsächlich mit Windows XP.Beachten Sie jedoch, dass Microsoft in den
Nachfolger Windows Vista eine erheblich verbesserte Firewall integriert hat, so dass hier tatsächlich
keine Notwendigkeit besteht, das Produkt eines Drittanbieters einzusetzen.
Aussage: Der von den Herstellern umworbene Stealth-Modus ist unwirksam. Das
gleiche gilt für das Versprechen, bösartige Software am Versenden von Daten zu hindern, wenn diese
bereits den Computer des Anwenders befallen hat.
Bemerkungen: Die Tatsache, dass ein Produkt nicht alle Versprechen hält, die der
Hersteller abgegeben hat, ist ohne Zweifel ärgerlich. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das
Produkt insgesamt nutzlos oder gar gefährlich ist.
Aussage: Personal Firewalls reißen selbst Sicherheitslücken auf und öffnen Ports
in Richtung des Internets.
Bemerkungen: Sicherheitsanfälligkeiten sind auch bei Sicherheitsprodukten keineswegs
selten. Personal Firewalls bilden hier natürlich keine Ausnahme. Deshalb sollten die Sicherheitslücken
dieser Produkte ähnlich bewertet und behandelt werden wie Produkte anderer Kategorien.Dies bedeutet,
dass Sicherheitsauffälligkeiten einer Personal Firewall nur dann gegen das Installieren dieser Software
sprechen, wenn der Hersteller diese Fehler nicht zügig behebt.
Aussage: Personal Firewalls lassen sich von Schadsoftware problemlos abschalten
oder umgehen.
Bemerkungen: Hierfür ist allerdings erforderlich, dass die schädliche Software Ihren
Weg auf den Computer bereits gefunden hat, und dies am vorsichtigen Benutzer und ggf. installierter
Sicherheitssoftware vorbei.
Inhaltsverzeichnis ergänzende Informationen
3.3. Fazit zu Personal Firewalls
Dummenfang als Ziel überzogener Werbeversprechen dient einzig dazu, den Absatz von Software
durch die Ausnutzung von Wissenslücken potentieller Käufer anzukurbeln. Seien Sie kritisch und fallen
Sie nicht darauf herein.
Manchmal allerdings haben die weltfremden Ratschläge kompromissloser Experten ähnlich negative
Folgen, weil durch sie Maßnahmen, die nicht der "reinen Lehre" entsprechen, aber in der Praxis
durchaus nützlich sind, unterbleiben.
Bei Personal Firewalls lassen sich aus den weiter oben genannten Erkenntnissen folgende
Schlüsse ableiten:
- Personal Firewalls ersetzen keine Sicherheitskonzepte, aber sie sind manchmal in der
Lage, Fehler des Anwenders sowie Mängel in der Konfiguration zu kompensieren.
- Personal Firewalls können Fehler in der Konfiguration von Diensten nicht beseitigen. Sie
sind jedoch durchaus in der Lage, gewollt oder ungewollt geöffnete Ports vor dem Zugriff durch Angreifer
zu schützen, wenn entweder durch die Firewall kein von außen initiierter Netzwerkverkehr zugelassen wird
oder dieser auf die gewünschten Kommunikationspartner eingeschränkt wird.
- Personal Firewalls können den durch (bereits auf dem Computer laufenden) bösartige Programme
initiierten Datenverkehr von innen nach außen manchmal aber nicht immer erkennen bzw. verhindern.
- Personal Firewalls können die Wiederherstellung des Systems von einem Backup oder durch
Neuinstallation nicht ersetzen, aber sie können den Anwender darauf aufmerksam machen, dass eine
Wiederherstellung notwendig ist.
Ob der Einsatz solcher Programme sinnvoll ist, lässt sich im Rahmen einer Sicherheitsanalyse
herausfinden. Klicken Sie hier, um
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(c) 2005, 2006, 2008, 2009 Ralph Lehmann *
IT-Sicherheitsanalyse und Beratung * Kochstr. 34 * 04275 Leipzig Letzte Änderung: 20.03.2009
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